Ausstellung
29.11.2026 – 14.02.2027
Bruno Wank

Das Atmen der Zeit

[Kunsthaus]

Für seine Einzelausstellung im Kunsthaus Kaufbeuren verwandelt Bruno Wank das gesamte Gebäude von der Fassade bis zum Dachgeschoss in einen mit Licht, Klang und Skulptur komponierten Erfahrungsraum. „Das Atmen der Zeit“ zeigt erstmals neue und spezifisch für die Ausstellung entstandene Arbeiten des weit über das Allgäu hinaus bekannten Bildhauers. Im Dialog verschiedener Materialien und Medien manifestiert sich Zeit durch Wandel und Erneuerung, pulsierende Bewegung und zyklische Wiederholung  – als Dimension, die je nach Wahrnehmung, eigenem Tempo und Resonanz individuell erfahrbar wird. Außen am Treppenturm des Kunsthauses schmiegt sich ein Aufbau aus Holz an die Fassade und erinnert an Stützkonstruktionen, wie sie im Gebäudebau eingesetzt werden. Auf den zweiten Blick zeigt sich eine sanfte Bewegung, einem mechanischem „Atemrhythmus“ ähnlich: Es entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen der Illusion von Lebendigkeit und mechanischer Regelhaftigkeit, ein Atem, der an keinen organischen Körper gebunden ist, sondern selbst zu einem Sinnbild für das Vergehen von Zeit wird.

Auch im Saal im ersten Stock begegnen sich Körper, Bewegung und Klang in Form von neun überlebensgroße, anthropomorphe Gestalten. Von dem Ehrfurcht einflößenden Chor geht ein Tönen aus, das mal mehr, mal weniger intensiv wahrnehmbar ist. Die „Allies“ stimmen gemeinsam den „Ton der Stille“ an, der im Kölner Dom um 6 Uhr morgens aufgenommen wurde. Eine polierte, kreisrunde Bronzefläche, die an ein Portal erinnert, verstärkt den Eindruck eines Übergang.

Über die offene Treppe und den Balkon zum Dachgeschoss kündigen verschiedenfarbige Lichtschimmer die Installation „Alle Farben sind richtig“ an. Riesige Scheinwerfer, die einst im Münchner Olympiastadion für möglichst neutrale Ausleuchtung sorgten, tauchen den Raum in ein Wechselspiel von Lichtstimmungen. Diese verändert sich mit jedem Blickwinkel und so schließt sich der Kreis zur Außenkonstruktion am Turm: Was sich Außen als Rhythmus von Bewegung und Licht andeutet, setzt sich im Speicher als dynamische Raumerfahrung fort. Das Foyer des Kunsthauses – ein Durchgang und Raum des Übergangs, aber auch Ort der Vermittlung und des Aufenthalts, an dem gemeinsame Projekte entstehen und neue Ideen wachsen können – wird zum temporären Habitat der „Bienenwabenblume“, die von Bruno Wank seit einigen Jahren erforscht wird. Die „Bienenwabenblume“ steht für Organisationsformen der Natur und ihre Potenziale für nachhaltige und nachwachsende Architekturen als Lebensräume der Zukunft. Beim gemeinsamen Formen und Gießen im Workshop mit dem Künstler können Besuchende Teil dieses Projektes werden und Samenkapseln herstellen. So wird aus der Aufbewahrung und Weitergabe einer Idee vielleicht wieder ein neuer Impuls im Kreislauf von Verwandlung, Wiederholung und Erneuerung.

Bruno Wank ↓

Bruno Wank (*1961 in Marktoberdorf) kam durch die Bronzegusswerkstatt seines Vaters früh mit dem bildhauerischen Handwerk in Berührung. Er studierte als Meisterschüler von Olaf Metzel an der Akademie der Bildenden Künste München. Von 1993 bis 2019 leitete er dort die Studienwerkstätte für Bronzeguss und war von 2007 bis 2009 Vizepräsident der Akademie. Von 2008 bis 2012 gehörte er der Kunstkommission QUIVID an, dem Kunst-am-Bau-Programm der Stadt München.

Wank lebt und arbeitet in München und Görisried im Allgäu. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela Wank betreibt er dort seit 2010 die Ausstellungshalle „VerpackereiGö“ als experimentellen Ausstellungsraum. Seine künstlerische Praxis verbindet fundierte Materialkenntnis und handwerkliche Erfahrung mit einem Interesse an öffentlichen Räumen und gesellschaftlichen Prozessen. Zwischen Bildhauerei, Aktionskunst und Installation entwickelt er Arbeiten, die das Verhältnis von Material, Raum und Öffentlichkeit immer wieder neu ausloten.

Förderung der Ausstellung durch

Das Programm des Kunsthauses wird unterstützt durch