Ausstellung & Programm
15.03. – 21.06.2026
Maximilian Gutmair
Sebastian Mayrhofer
Nicola Reiter
Johannes Vogl
Ulrich Vogl
Sonja Wahler

long time no see

[Kunsthaus]

Ulrich Vogl "Wolkenhaus", 2013, Foto: Erik Joergensen

Programm & Veranstaltungen

Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens verschickte das Kunsthaus Kaufbeuren einen Kettenbrief. Sechs Kulturakteur*innen aus der Region erhielten die Einladung wiederum sechs Künstler*innen zu nennen, deren Arbeiten sie gerne erstmals oder wieder einmal in einer Ausstellung im Kunsthaus sehen möchten. Alle Künstler*innen haben einen Bezug zum Allgäu, weil sie hier wohnen, hier aufgewachsen sind oder obwohl sie schon lange andernorts leben und arbeiten. Diese Einladungspraxis verweist auf ein weit verzweigtes Netzwerk zwischen Kulturschaffenden aus unterschiedlichen Sparten und Generationen, mit dem Ergebnis einer Ausstellung, in der sich verschiedene Referenzen und persönliche Bezüge zu ungewohnten Perspektiven auf die Region verbinden.

Sonja WahIer1 zeigt im Foyer des Kunsthauses Fotos, Zeichnungen, Drucke und Fundstücke aus ihrer Recherche und Spurensuche auf dem ehemaligen Gelände der Rosenbrauerei in Kaufbeuren, die sie dort 2020 unternahm. Im März 2022 brannte das ehemalige Brauereigebäude. Der Ort der Spurensuche existiert so nun nicht mehr. In Sonja Wahlers Installation überlagern sich transparente Bildträger, ergeben neue Zusammenhänge, Details werden undeutlich wie lange zurückliegende Erinnerungen. Das gesammelte Material wird zum Ausgangspunkt einer spekulativen Forschung und Suche danach, wie Vergessen aussieht.

Ulrich Vogls2 Skulptur Wolkenhaus stand ab 2014 im öffentlichen Raum am Salzmarkt in Kaufbeuren und wurde kontrovers diskutiert, bevor sie 2016 im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen der dortigen Fußgängerzone abgebaut wurde. Im Ausstellungsraum bilden einzelne Elemente der Skulptur zusammen mit weiteren Materialien und Motiven eine begehbare Installation, die dazu einlädt, das Verhältnis zwischen dem geteilten öffentlichen Raum und institutionellen Räumen in Bezug auf Diskurs und Beteiligung zu reflektieren.

Johannes Vogl3 baut aus alltäglichen Dingen eigensinnige Skulpturen, die poetische Bilder visualisieren. Seine raumgreifende Skulptur Walze erinnert an ein landwirtschaftliches Gerät. Mit 138 Schuhen ausgestattet, dient sie augenscheinlich dazu, eine Spur hunderter Fußabdrücke zu erzeugen und verweist auf Menschen in Bewegung, Demonstrierende, Flüchtende, militärische Aufmärsche, auf vorübergehende Momente, die häufig ein Indiz für weitreichende Veränderungen und Umbrüche darstellen.

Sebastian Mayrhofer4 kombiniert in seinen Installationen, Zeichnungen, Videos und Performances bewusst verschiedene Materialien, Techniken und Medien. Seine neue Installation dreh dich ganz langsam zeigt Holzmasken und Videos. Anders als die schrillen Fratzen der Perchten im lokalen Brauchtum bewegen sich die Figuren hier behutsam, möchten unbemerkt bleiben, sich verbergen, sich in die umgebende Landschaft und ihre Zeitlichkeit einfügen.

In seiner interdisziplinären Praxis, die Fotografie, Keramik, Zeichnung, Malerei und Performance umfasst, verbindet Maximilian Gutmair5 Themen wie Queerness, Emotion, Natur und Spiritualität. Seine hoch aufragende Brunnenskulptur aus Keramik zitiert und transformiert in barocker Üppigkeit Motive aus verschiedenen Glaubenssystemen – als Hommage an alles Lebendige, Wuchernde, Natürliche — an Verbindungen und Übergänge zwischen organischer Materie, Pflanzen, Tieren und menschlichen Körpern.

Im Speicher des Kunsthauses zeigt die Gestalterin und Künstlerin Nicola Reiter6 ihr Langzeitprojekt Afdərmähdag. Seit 2020 entstehen auf Wanderungen rund um ihren Wohnort im Oberallgäu Fotografien, die Spuren landwirtschaftlicher Arbeit festhalten. Mit ihren Bildern sowie in Gesprächen mit Landwirtsfamilien über deren Höfe und Tätigkeiten untersucht sie Strukturen, Bedingungen und Transformationen von Arbeitswelten, aber auch das Verhältnis von Menschen, Nutztieren und Kulturlandschaften. Nach der ersten Phase wird sich das Projekt ab Ende Juli bis November 2026 erweitern und fortschreiben.

Vorschlagende:

1 Martin Valdés-Stauber (Dramaturg, Schaubühne Berlin)

2 Nadja Ostertag (Theaterpädagogin, Kulturwerkstatt Kaufbeuren)

3 Thomas Garmatsch (Theaterpädagoge, Kulturwerkstatt Kaufbeuren)

4 Tatjana Nocker (Architektin und Museumspädagogin, querKUNST Kaufbeuren)

5 Luise Wank (Kuratorin, Berlin)

6 Frauke Zabel (Künstlerin und Kunstvermittlerin, Kunstuniversität Linz)

Gefördert durch den